- Boxenstrategie entscheidend: Wanner siegt mit der richtigen Taktik
- Doppelpodium für Porsche: Houben und Ottaviani auf den Plätzen zwei und drei
- Nächstes Event bereits am ersten August auf dem Sachsenring
München. Der Kampf um den Titel in der DTM eSports Championship nimmt weiter Fahrt auf. Zwei Rennen vor dem großen Finale auf dem Nürburgring ist das Feld enger zusammengerückt denn je. Nur die besten 20 Sim-Racer qualifizieren sich für den Showdown vor Ort – entsprechend hart umkämpft ist jeder einzelne Punkt.
In Oschersleben setzte Jonas Wanner (Alpha One by SX) ein deutliches Ausrufezeichen. Mit einer perfekten Strategie und fehlerfreier Fahrt sicherte sich der BMW-Pilot seinen ersten Saisonsieg und übernahm zugleich die Führung in der Gesamtwertung. Alessandro Ottaviani (Dörr eSports by SX) und Niklas Houben (Team Nitro) bleiben ihm jedoch dicht auf den Fersen und komplettieren die Spitzengruppe der Meisterschaft.
Jarschel startet furios
Im Qualifying waren zunächst Alessandro Ottaviani und Tim Jarschel (Falken Simracing Team) das Maß der Dinge und sicherten sich die erste Startreihe. Lucas Müller (Falken Simracing Team) qualifizierte sich auf Rang drei vor Wanner, Tobias Gronewald (Team Nitro) und Houben. Als die Startampel erlosch, zeigte Jarschel einmal mehr seine Stärke. Wie bereits auf dem Norisring erwischte er einen perfekten Start und schnappte sich noch vor der ersten Kurve die Führung. Ottaviani musste sich dahinter einsortieren, gefolgt von Müller und Wanner.
Auf der engen Motorsport Arena Oschersleben entwickelte sich anschließend das erwartete Geduldsspiel. Die Spitzengruppe blieb eng beisammen, doch Überholmanöver waren Mangelware. Schnell wurde klar: Die Entscheidung würde nicht auf der Strecke, sondern in der Boxengasse fallen.
Wanner schlägt im richtigen Moment zu
Genau dort legte Wanner den Grundstein für seinen späteren Erfolg. Als einer der ersten Spitzenfahrer steuerte er mit Öffnung des Boxenfensters die Box an. Die Strategie zahlte sich sofort aus. Nachdem auch Jarschel und Ottaviani ihren ersten Pflichtstopp absolviert hatten, hatte sich Wanner bereits auf Rang zwei nach vorne gearbeitet. Noch entscheidender wurde der zweite Boxenstopp. Wanner und Ottaviani reagierten erneut früh, während Jarschel eine Runde länger draußen blieb. Bei der Einfahrt in die Box verlor der Audi-Pilot jedoch durch einen Quersteher wertvolle Zeit und fiel hinter seine beiden Rivalen zurück. Houben setzte stattdessen auf eine alternative Strategie und verschob seinen zweiten Pflichtstopp um mehrere Runden. Das Risiko zahlte sich aus: Der Porsche-Pilot kehrte als Dritter auf die Strecke zurück und verdrängte Jarschel vom Podium.
Houben sorgt für das Highlight der Schlussphase
Die Schlussphase bot schließlich doch noch ein seltenes Überholmanöver. Houben setzte Ottaviani mehrere Runden lang unter Druck und fand rund fünf Minuten vor Rennende die entscheidende Lücke. Auf der Start-Ziel-Geraden zog er am Italiener vorbei und machte den zweiten Platz fest. An der Spitze ließ sich Wanner im BMW den Sieg nicht mehr nehmen und feierte einen souveränen Erfolg vor Houben und Ottaviani. Jarschel musste sich mit Rang vier begnügen, verteidigte damit aber auch den vierten Platz in der Gesamtwertung.
Für den bisherigen Tabellenführer Tomás Ribeiro (Privateer) verlief das Rennen dagegen enttäuschend. Nach Platz 16 verlor der Portugiese die Spitzenposition und fiel in der Meisterschaft auf Rang neun zurück.
Damit spitzt sich der Titelkampf weiter zu. Am ersten August gastiert die DTM eSports Championship auf dem Sachsenring. Der fünfte Saisonlauf ist zugleich die letzte Gelegenheit, sich einen der begehrten Top-20-Plätze für das große Finale auf dem Nürburgring zu sichern. Dort werden die Karten noch einmal komplett neu gemischt.
Stimmen nach dem Rennen
Jonas Wanner (Alpha One by SX): „Das Qualifying war schon eine gute Ausgangsposition. Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns in den Top 4 positionieren. Besser hätte es nicht laufen können. Für das Rennen waren die Boxenstopps perfekt geplant. Ich hatte dann auch das Glück, dass der Abstand nach hinten etwas größer wurde. Der BMW kann die Reifen etwas besser halten als der Audi oder der Porsche. In Oschersleben muss man über die Strategie gehen, da man nicht viele Chancen hat, zu überholen. Ich bin sprachlos, dass ich gewinnen konnte.“
Niklas Houben (Team Nitro): „Das war ein schwieriges Rennen. Ich hatte im Vorfeld Probleme mit der Fahrbarkeit und bin froh, dass ich das Qualifying irgendwie hinbekommen habe. Für das Rennen wusste ich, dass es mit dem Porsche gut wird, da wir die Pace halten können. Aber auf dieser engen Strecke kann man nur sehr schwer überholen. Wir haben es dann probiert, über die Strategie zu lösen. Wegen der Überrundeten musste ich sogar etwas früher reinkommen. So kam ich auf Rang drei raus. Dann konnte ich mir noch Ottaviani schnappen und zeigen, dass ich die Pace hatte. Zum Finale am Nürburgring wird alles wieder auf Null gesetzt. Das hier ist jetzt eigentlich nur die Vorbereitung.“
Tim Jarschel (Falken Simracing Team): „Der Audi hat in Oschersleben generell einen Nachteil beim Reifenverschleiß. Ich habe direkt auf Jonas reagiert, aber bei der Boxeneinfahrt habe ich das Heck etwas verloren. Dabei ist bestimmt eine halbe bis eine Sekunde verlorengegangen. Ehrlich gesagt bezweifle ich aber ohnehin, dass ich die Führung über die komplette Renndistanz hätte verteidigen können. Der Sachsenring ist ebenfalls sehr anspruchsvoll für die Reifen. Deshalb rechne ich dort wieder mit einem schwierigen Rennen. Ein Platz in den Top 5 wäre ein gutes Ergebnis – gegen die BMW wird es schwer.“