- Die Liqui Moly Team Engstler-Piloten Felix Hirsiger und Finn Zulauf im Portrait
- Spektakuläre Siege, bedingungslose Ehrlichkeit und kein Platz für Egos
- Zwischen Luxus-Autos, BWL-Studium, Risikofreude und Marotten
Hockenheim. Felix Hirsiger und Finn Zulauf sind ADAC GT Masters-Champions 2026. Im finalen Rennen der Saison auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg ließ das Duo nichts mehr anbrennen und gewann souverän das Rennen und mit 13 Punkten Vorsprung den Titel. Mit fünf Siegen, zwei Podiumsplatzierungen und fünf herausgefahrenen Pole-Positions haben der Schweizer Hirsiger und Zulauf aus Königsstein im Taunus den zweiten Titel in der Geschichte des ADAC GT Masters für das Liqui Moly Team Engstler Motorsport erzielt. „Wir sind ADAC GT Masters-Champions 2026. Wir haben uns sehr gewünscht, genau das am Ende des Jahres sagen zu können. Im ersten Anlauf direkt Meister zu werden, ist mehr, als wir uns erträumt hatten“, strahlt Hirsiger. Teamkollege Zulauf hat gleich zwei Gründe zum Jubeln, denn er hat darüber hinaus die „Road to DTM“ gewonnen. „Es ist eine sehr coole Story, dass ich nach dem Erfolg in der ADAC GT4 Germany nun auch das ADAC GT Masters gewonnen habe und damit der erste Fahrer bin, der die „Road to DTM“ in beiden Meisterschaften für sich entschieden hat“, erklärt Zulauf. „Ich bin dem ADAC sehr dankbar, dass ich diese Erfolgsleiter immer weiter hochklettern durfte. Ein großes Dankeschön gilt nochmals unserem Liqui Moly Team Engstler Motorsport. Sie haben über die Saison und auch beim Finale alles gegeben – das gilt auch allen Leuten, die im Hintergrund stehen, aber für den Erfolg ungemein wichtig waren.“
Die Wettquoten auf einen Titelgewinn des Lamborghini-Duos wären vor der Saison wohl nicht all zu hoch ausgefallen. Der 22-jährige Zulauf hatte zwar bereits einen Sieg aus der Vorsaison zu Buche stehen, doch Hirsiger brachte kaum Erfahrung im GT3-Auto mit und ihr Team hatte 2011 zum letzten Mal im ADAC GT Masters gewonnen. Intern bestand jedoch nie ein Zweifel. „Das Vertrauen war von Beginn an vorhanden“, erinnert sich Zulauf. „Ich habe seine Onboard-Videos gesehen und wusste, dass ich entspannt bleiben kann, wenn Felix im Auto sitzt.“
Das bestätigte sich schon am ersten Wochenende am Red Bull Ring. Mit einem spektakulären Sieg und einem weiteren Podiumsplatz übernahm das Duo die Tabellenspitze und ließ weitere Erfolge in Zandvoort und am Nürburgring folgen. Endgültig zu absoluten Top-Favoriten machten sich Hirsiger und Zulauf am Salzburgring, als sie vom letzten Startplatz aus durchs gesamte Feld pflügten und schließlich ihren vierten Saisonsieg feierten. „Finn und ich waren in diesem Rennen außerhalb von uns selbst, haben Leistungen abgerufen, die wir vorher noch nie so abgerufen haben, obwohl wir schon gewonnen hatten. Das hat für sich gesprochen“, erinnert sich der 28-jährige Hirsiger. „Das war nicht einfach ein weiterer Sieg, sondern steht auf einem Level mit dem Erfolg am Red Bull Ring in der letzten Kurve.“
Als größte Stärken sieht das Duo seinen sehr ähnlichen Fahrstil und die große Sympathie und Harmonie untereinander. „Ego hatte bei uns nie einen Platz“, erklärt Hirsiger. Zudem waren beide in allen Situationen bedingungslos ehrlich zueinander und hielten sich auch mit Kritik nicht zurück. Dabei stand immer im Fokus, zu keiner Zeit den Spaß zu verlieren und auch in schwierigen Momenten den anderen niemals persönlich anzugreifen.
Ähnlich reflektiert handelt Zulauf auch privat. Der 22-Jährige hat sich neben seiner Karriere im Motorsport für ein BWL-Studium entschieden. „Leistungssport ist wunderbar, aber man darf sich nicht blind darauf verlassen, dass es immer so weitergeht. Mit diesem Studium habe ich viele Möglichkeiten“, schildert Zulauf. In seiner Freizeit fährt er gerne Ski und geht sehr oft joggen. Dabei achtet er akribisch auf seine Ernährung und kocht seine Mahlzeiten meist selbst, um einen genauen Überblick über Zutaten und Nährwerte zu behalten. Seine Akribie findet sich auch in strikten Zeitplänen und einer kleinen Marotte wieder. „Ich kann zum Beispiel nur bei Klima auf 20 oder 22 Grad fahren, es müssen immer gerade Zahlen sein – auch bei der Lautstärke des Fernsehers. Das ist für mich nicht verhandelbar“, lacht der 22-Jährige.
Seine ersten Gehversuche im Motorsport unternahm er mit sieben Jahren, als ihm seine Eltern ein Kart schenkten. Seither arbeitete er sich stetig nach oben. 2020 stieg er ins Rennauto und schon ein Jahr später ging er in der ADAC GT4 Germany an den Start. Dort gelang ihm auch sein erster großer Erfolg im Motorsport: 2024 krönte er sich zusammen mit Josef Knopp zum Champion und gewann gleichzeitig die „Road to DTM.“ Seit 2025 startet er im ADAC GT Masters und überzeugte auch hier. Direkt an seinem Debüt-Wochenende erzielte er eine Pole-Position und ließ vier weitere sowie insgesamt sechs Siege und drei Podestplätze folgen.
Hirsiger kam durch seinen Vater, der 2022 verstorben ist, zum Motorsport. Jeden Sonntag gab es nur den Weg zur Kartbahn und schon bald wurden die Anstrengungen von zwei nationalen Meistertiteln gekrönt. Es folgten zwei Jahre in der französischen Formel 4, doch aus finanziellen Gründen endete der Weg im Motorsport zunächst und Hirsiger fand im Radsport seine neue Heimat. Über Sponsoren und Geld von Freunden gelangen ihm zumindest vereinzelte Einsätze in der DTM Trophy oder dem Porsche Carrera Cup, der eigentliche Fokus lag allerdings auf dem Driver Coaching, um die Nähe zum Motorsport nicht zu verlieren. Die Wende brachte im Jahr 2024 der Gewinn der Meisterschaft im Porsche Sports Cup Suisse, die nur ein Jahr später vom Titel in der Ferrari Challenge Europe gekrönt wurde.
Für den Schweizer ist Motorsport aber viel mehr als das reine Fahren. „Was mich extrem fasziniert, ist der mentale Aspekt dahinter“, erklärt der 28-Jährige. Vorbilder waren für ihn in dieser Hinsicht Jenson Button oder Jim Clark und aktuell Lewis Hamilton. „Er ist ein Phänomen, was seine mentale Stärke betrifft, und ich würde mir gerne ein paar Scheiben abschneiden.“ Privat liebt Hirsiger das Risiko und gibt das auch offen zu. Er besitzt gemeinsam mit zwei Freunden und einem Investor eine Autogarage im Schweizer Kanton Zug und handelt mit normalen Fahrzeugen sowie Luxus- und Sportwagen. Arbeitsintensive Tage im Autohandel, gepaart mit zahlreichen Wochenenden an der Rennstrecke sowie dem dazugehörigen Training lassen kaum mehr Freizeit. Lediglich für eine Sache nimmt sich der erfolgreiche Geschäftsmann immer Zeit: gemeinsame Stunden mit seiner Familie.